Anti Gewalt Training

Im Anti-Gewalt-Training setzen sich die Jugendlichen an fünf ganztägigen Kurseinheiten oder berufsbegleitend über sieben Wochen an wöchentlich stattfindenden Gruppentreffen intensiv mit dem Ursprung und den Folgen ihres gewalttätigen Verhaltens auseinander. Sie werden zu ihrer Tat ins Kreuzverhör der Kritik genommen und durch geschulte Anti-Gewalt-Trainer und die anderen Teilnehmer konfrontiert.

Über spezifische Übungen und videounterstütztes Lernen wird das Einfühlungsvermögen geschult und zu einer Einstellungs- und Verhaltensänderung motiviert. Neben Kommunikations-, Körpersprache- und Entspannungsübungen werden konkrete Deeskalationstechniken vermittelt  und alternative Handlungsstrategien für Stress- und Konfliktsituationen erarbeitet.

Seit dem Beginn des Berichtszeitraumes (2004) führt der SKF-M Anti-Gewalt-Trainings durch.

Diese Maßnahme richtet sich an Jugendliche und Heranwachsende, die – im Unterschied zum Sozialen Trainingskurs, in dem unterschiedliche Deliktarten zusammengefasst werden – im Rahmen eines Körperverletzungsdeliktes straffällig und durch ihr hohes Aggressionspotential auffällig geworden sind.

Mit einer Gruppenstärke von 8 –10 Personen setzen sich die Teilnehmer an fünf ganztägigen Kurseinheiten mit ihrer Straftat auseinander.

Die längere Dauer des Trainings und kleinere Größe der Gruppe macht es möglich, intensiv auf den einzelnen Jugendlichen einzugehen und an der vorliegenden Problematik zu arbeiten.

Ziele des Anti-Gewalt-Trainings sind insbesondere:

  • Reduzierung  des aggressiven bzw. gewalttätigen Verhaltens
  • Erhöhung der Hemmschwelle, körperlicher Gewalt anzuwenden
  • Erlernen von Konfliktvermeidungs- und alternativen Handlungsstrategien
  • Stärkung der Frustrationstoleranz und Selbstkontrolle
  • Förderung von Selbstsicherheit, Einfühlungsvermögen
  • Verfeinerung der Kommunikationskompetenz


Im AGT sollen sich die Jugendlichen intensiv mit den Folgen der ausgeübten Körperverletzung für die Opfer auseinandersetzen und die Verantwortung für ihre Taten übernehmen.

Über Einzel-, Partner- und Gruppenübungen sind die Teilnehmer aufgefordert, ihre Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster, die immer wieder zu gewalttätigem Verhalten geführt haben, zu erkennen und zu verändern, u.a. über die sog. „Hot Seat“ Arbeit, in der die Jugendlichen mit ihren Täteranteilen konfrontiert werden.

Häufig erleben die TrainerInnen, dass die Teilnehmer selbst Opfer körper-licher Gewalt waren. Oft ist es möglich, dass einzelne Teilnehmer über ihre persönliche Geschichte und die ganz individuellen Erfahrungen mit Gewalt sprechen. Dann kann bei allen in der Gruppe die Entwicklung von Einfühlungsvermögen und Respekt für sich selbst und andere Menschen gefördert werden.

In spezifischen Rollenspielen und Kommunikationsübungen, sowie über die Schulung der Wahrnehmung von Körpersprache erlernen die TeilnehmerInnen konkrete Deeskalationstechniken, die sie im geschützten Rahmen der Gruppe ausprobieren und später in ihrem Alltag anwenden können.

Analog zum Sozialen Trainingskurs soll das täglich gemeinsam zubereitete Frühstück das soziale Verhalten und das Gemeinschaftsgefühl fördern. Die TeilnehmerInnen erleben sich in unterschiedlichen Rollen und erhalten Rückmeldungen von Gleichaltrigen und den Trainern, die ihr oft „verzerrtes“ Selbstbild korrigieren, aber auch ihr Selbstwertgefühl steigern sollen.

Die Sportbegegnung in der JVA Heinsberg sensiblisiert die Teilnehmer für die ganz konkreten, realistischen Folgen straffälligen Verhaltens und soll dazu beitragen, auch mittelfristigen konflikthaften Situationen „cool“ zu bleiben und sich für die im AGT vermittelten „entschärfenden“ Strategien  zu entscheiden.

Das AGT wird intensiv vor- und nachbereitet und grundsätzlich von 2 ausgebildeten Anti-Gewalt-Trainern/Innen durchgeführt.

© 2019 SKF/M Sozialdienst Katholischer Frauen und Männer e.V.
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